|
Zur Einführung
Ganz wichtig: für das Gebet gibt es keine „Technik“. Das
Gebet ist im wesentlichen ein Gespräch,
ein Dialog mit Gott. Leider ist Gott nicht so sichtbar und hörbar wie
ein anderer Mensch. Deshalb ist es mitunter anstrengend, zu beten. Das Gebet
ist ein „Instrument“, ein Instrument der Verständigung, eine Sprache.
Es ist, wie wenn ein junger Mann ein wunderschönes Mädchen aus
einem ganz fremden Land kennen lernt; um es zu lieben, wird er mit ganzem
Einsatz darangehen, die Sprache zu lernen, in der er jedes Wort von ihr versteht,
in der er ihr alles sagen kann.
Nun also zehn ganz praktische Ratschläge, die dir helfen sollen, dein
Leben aus der Tiefe, der Kraft und der Schönheit des Betens heraus zu
gestalten. Es sind zehn kleine, aber sehr hilfreiche Regeln.
|
1. Wenn du betest, tue es regelmäßig!
Wenn du nur betest, wenn du in höchster Not bist oder wenn du gerade
ein schönes Gefühl hast, wirst du kein Stück vorankommen.
Denn was ist das für eine Liebesbeziehung, die immer nur dann beschworen
wird, wenn du gerade „Liebe“ nötig hast? Mache dir also einen konkreten
Plan, wann du während des Tages allein mit Gott sprechen möchtest:
Morgens nach dem Aufstehen? Vor dem Essen als ? Am Ende des Tages?
|
2. Wenn du betest, nimm dir Zeit!
Gott zählt nicht die Minuten oder Sekunden, die wir für ihn reservieren.
Aber wenn du in echte Beziehung mit Gott kommen willst, brauchst du dafür
richtig Zeit. Wir haben für soviel Unsinn Zeit - ist Gott dir nicht
wert, ihm wirklich Zeit zu schenken? Wichtig ist es, gerade für die
regelmäßigen Gebete bewusst Zeit einzuplanen. Die Zeit, die man
Gott schenkt, bekommt man zurück, weil einem der Tag nach einem guten
Morgengebet ganz anders von der Hand geht.
|
3. Bete mit dem Herzen!
Eine Faustregel ist: Ein Gebet, das nur mit dem Mund und nicht aus ganzem
Herzen gesprochen ist, ist kein Gebet. Bewährt hat sich, sich vor dem
Beten von aller Ablenkung zu befreien (Auszeit für Radio, CD-Player
etc.) und gewissermaßen aus der Stille und der inneren Sammlung heraus
Gott zu suchen - von Herz zu Herz.
|
4. Wechsle immer wieder zwischen freien und vorformulierten Gebeten!
Wenn das Gebet ein Gespräch mit Gott ist, dann liegt es auf der Hand,
dass es kein schöneres Gebet als ein freies Gebet gibt. Aber das freie
Beten ist auch gefährlich. Wir Menschen sind immer wieder in der Gefahr,
in fruchtlose Monologe zu verfallen, in denen wir Gott mit unseren Sorgen
und Problemen „vollschwätzen“. Deshalb bete auch formulierte Gebete.
Die Bibel ist voll von richtigen Gebeten, die uns zurückholen in die
wahre Sprache der Beziehung zu Gott. Besonders die Psalmen sind unübertreffliche
Gebete; man lernt sie immer tiefer lieben und schätzen, wenn man einmal
damit angefangen hat, sie mit ganzem Herzen zu sprechen.
|
5. Bete alleine und bete mit anderen!
Das Gebet ist etwas ganz Besonderes: Auge in Auge mit seinem Gott allein
zu sein. Jesus selbst hat das Aug-in-Aug mit seinem Vater gesucht, damals
in der Nacht vor seinem Tod am Ölberg. Aber Jesus hat auch gemeinsam
mit seinen Jüngern gebetet, beispielsweise beim letzten Abendmahl, als
er das große Dankgebet seines Volkes über Brot und Wein anstimmte.
Das geschieht in der Kirche noch immer. Besonders in den Gottesdiensten zeigt
sich, dass sie eine große Gemeinschaft des Gebetes ist, in der unter
anderem auch für dich gebetet wird.
|
6. Unterstütze dein Gebet durch deinen Leib!
Alle Religionen kennen bestimmte Gebetshaltungen. Die Körpersprache
sagt etwas über die Gesinnung eines Menschen aus. So, wie man nicht
mit beiden Händen in der Hosentasche jemanden höflich begrüßt,
lasse ich mir übrigens von niemandem erzählen, dass er wirklich
mit Gott spricht, wenn er sich dabei auf dem Sofa herumlümmelt.
|
7. Beziehe alle Arten des Gebetes in dein Beten mit ein!
Einer alten Einteilung zufolge gibt es drei Grundformen des Gebetes: das
Lob- und Preisgebet, das Bittgebet und das Dankgebet. Viele Christen bringen
es zeitlebens nicht über das Bittgebet hinaus. Gleichzeitig führt
das Leben mit Gott auch dazu, mehr an ihm zu entdecken als den Adressat meiner
Bitten. Deshalb sage ihm auch Dank und Lob für alles, was er Dir schenkt
und geschenkt hat.
|
8. Bete deinen Glauben!
Manche Leute mixen sich einen Glauben zurecht als ginge es darum, einen möglichst
schmackhaften Kuchen zu backen. Sie nehmen ein bisschen Astrologie, mischen
es mit kuschelweichem Gott und würzen das Ganze noch mit einer herzhaften
Prise Weihrauch. Guten Appetit!
Gott ist aber eine Wirklichkeit! Wer beispielsweise den Satz „Ich glaube
an Gott, den Vater, den Allmächtigen“ ins Gebet nimmt, der sagt das
Wort „Vater“ ins Angesicht Gottes, der sagt: „Ich glaube dir, Gott, dass
du mein Vater bist!“
Wenn einer so „Vater“ sagt, kann er es nicht leichtfertig tun, sondern nachdem
er gedacht und gefühlt und erfahren und das Wort schwer gewogen hat.
|
9. Bete dein Leben!
Willst du eine Art Urformel hören? Hier ist sie: Bete dein Leben - lebe
dein Beten. Bete dein Leben: Entdecke, dass es nichts gibt, was du Gott nicht
sagen kannst. Unterbreite ihm alle deine Pläne, deine Wünsche,
deine Sehnsüchte. Lass keinen Bezirk aus, nicht deine Sexualität,
nicht dein Zorn, nicht deine Verletztheit, nicht deine Freude, nicht deine
Sucht. Gott rümpft nicht die Nase. Er zieht sich nicht beleidigt zurück.
Er ist kein Spielverderber, der dir irgendwelche Pläne vermasseln möchte.
Gott will dich unendlich glücklich machen.
|
10. Bete in der Gemeinschaft der Kirche!
Du musst dir die Kirche so vorstellen, dass zu ihr Lebende und Verstorbene
gehören, dass sich die Kirche also zugleich auf der Erde und im Himmel
abspielt. Wir sind in Christus verbunden mit allen Gläubigen auf der
Erde und mit denen, die vor uns gelebt haben. So dürfen wir füreinander
beten. Wir dürfen die Heiligen bitten, dass sie für uns beten.
Und wir dürfen für unsere verstorbenen Angehörigen beten.
So wird mein eigenes Gespräch mit Gott zu einem Teil dessen, was die
Gläubigen an Liebe füreinander und zu Gott auf der ganzen Welt
verbindet.
|